AbL - Bayerisch Schwaben
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.

Landesverband Bayern, Regionalgruppe Bayerisch Schwaben
 

Aichach    26.06.2011

Geburtstag einer Lebenshaltung

 Wilpersberg (roe) Auf den ersten Blick feierte gestern in Wilpersberg schlicht der bayerische Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) seinen zehnten Geburtstag. Punkt. Auf den zweiten Blick war die gut besuchte Veranstaltung freilich weit mehr als ein klassisches Jubiläumsfest. Es war der Geburtstag einer Lebenshaltung.

 Das spürten die Gäste aus ganz Bayern an der perfekt organisierten Essensausgabe mit Bioprodukten ebenso wie an den verschiedenen Infoständen, die agraroppositionelle Gruppen nutzten, um Werbung für eine gentechnikfreie Heimat und naturnahe Landwirtschaft auf bäuerlichen Familienbetrieben zu machen. Das tat auch Edith Lirsch. „Wenn 35 bis 40 Kühe für die Existenz einer Familie nicht mehr reichen, dann läuft etwas schief“, machte Bayerns AbL-Vorsitzende unter dem Applaus der Zuhörer den grundsätzlichen Ansatz der Arbeitsgemeinschaft deutlich. Die Ausrichtung einer bäuerlichen Landwirtschaft dürfe nicht der Weltmarkt bestimmen. Wer glaube, die Mengenproduktion, sprich Agrarfabriken, seien die Lösung, unterliege einem Trugschluss. Es gehe um einen sorgfältigen Umgang mit den Lebensgrundlagen und Achtung vor dem Berufskollegen. „Eine bäuerliche Landwirtschaft ist eine grundlegende Lebenshaltung“, so Edith Lirsch.

Rund 600 Mitglieder hat die AbL in weiß-blauen Landen, etwa 2000 sind es auf Bundesebene. Eine „bunte Truppe“, die sich durch Kreativität und Hartnäckigkeit auszeichne. Erfolge? Gibt es. Dass im Zuge der vergangenen Agrarreform eine einheitliche Bewertung von Grünland und Acker durchgesetzt wurde, sei insbesondere der Arbeitsgemeinschaft zu verdanken. Im Zuge der nun anstehenden Reform wolle man endlich die Anbindung der Zahlung an die Arbeitsleistung auf den Höfen erreichen. „Dort, wo gearbeitet wird, muss das Geld hin, nicht in die Großstrukturen“, betonte Lirsch, die immer wieder schwere Kritik am Bayerischen Bauernverband übte.

Das tat auch Wolfgang Kreissl-Dörfler, SPD-Vertreter im Europäischen Parlament, der die eigentliche Laudatio hielt und den leidenschaftlichen Einsatz der AbL für eine multifunktionale Landwirtschaft würdigte. Diese Gruppe sei „von unten“ gewachsen ohne „selbstherrliche Vorsitzenden“ mit starken Verbindungen zur Agro-Industrie. Bei der AbL gehe es nicht darum, den konventionellen Hörndl-Landwirt gegen den ökologischen Körndl-Bauern auszuspielen, sondern um den Einsatz für eine faire und gerechte Weltordnung. Wenn 80 Prozent der Förderung an 20 Prozent der Betriebe gingen, dann dürfe die AbL nicht schweigen, untermauerte Kreissl-Dörfler und appellierte an alle gesellschaftlichen Gruppen, sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Es könne nicht sein, dass Milch billiger als Mineralwasser und Butter billiger als Schuhcreme sei. Es ging aber nicht nur um Politik. Auf dem Kreppold-Hof lässt es auch bestens feiern. Und das taten die Besucher kräftig bei diversen Köstlichkeiten aus der Küche und zur Blasmusik. Am Vormittag zelebrierte Pater Georg Greimel einen Gottesdienst.

Am Nachmittag fand noch eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt. Unter anderem war der Chef der bayerischen Freien Wähler, Hubert Aiwanger, in Wilpersberg. Ein Bericht darüber folgt.